Farben, Batterien, Spraydosen, Reinigungsmittel – Gefahrgut ist im Alltag präsenter, als viele denken. Beim Transport auf der Straße gilt dafür das ADR-Regelwerk. Wir erklären, was ADR ist, welche neun Gefahrgutklassen es gibt, welche Pflichten gelten und wann Sie über die 1.000-Punkte-Regel von vielen Vorschriften befreit sind.
ADR steht für das „Europäische Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße" (frz. Accord relatif au transport international des marchandises Dangereuses par Route). Es wurde 1957 unter dem Dach der UNECE geschlossen und wird alle zwei Jahre aktualisiert. In Deutschland wird ADR über die GGVSEB auch auf innerstaatliche Transporte angewendet. Ziel: gefährliche Güter so zu befördern, dass Mensch, Umwelt und Sachwerte geschützt sind.
Jedes Gefahrgut ist einer der neun Gefahrgutklassen zugeordnet, die die Hauptgefahr beschreibt. Die Gefahrgutklassen-Tabelle im Überblick:
| Klasse | Gefahr | Beispiele |
|---|---|---|
| 1 | Explosive Stoffe | Feuerwerk, Munition |
| 2 | Gase | Propan, Spraydosen |
| 3 | Entzündbare flüssige Stoffe | Benzin, Lacke |
| 4 | Entzündbare feste Stoffe | Streichhölzer, Metallpulver |
| 5 | Entzündend (oxidierend) / Peroxide | Wasserstoffperoxid |
| 6 | Giftige & ansteckungsgefährliche Stoffe | Pestizide, Proben |
| 7 | Radioaktive Stoffe | Medizinische Isotope |
| 8 | Ätzende Stoffe | Säuren, Laugen, Batterien |
| 9 | Verschiedene gefährliche Stoffe | Lithiumbatterien, Airbags |
Wer Gefahrgut nach ADR befördert, muss unter anderem sicherstellen:
Das Beförderungspapier wird in der Praxis meist mit dem CMR-Frachtbrief kombiniert. Bei grenzüberschreitenden Gefahrguttransporten in Nicht-EU-Länder kommt zusätzlich der Zolltransit per Carnet TIR ins Spiel.
Nicht jeder Transport unterliegt dem vollen ADR. Bei kleinen Mengen greift die 1.000-Punkte-Regel (Abschnitt 1.1.3.6): Jede Klasse hat einen Faktor; transportierte Menge × Faktor ergibt Punkte. Bleibt die Summe je Beförderungseinheit unter 1.000 Punkten, entfallen viele Pflichten (z.B. Warntafeln, ADR-Ausrüstung in Teilen). Zusätzlich gibt es Erleichterungen für begrenzte Mengen (LQ) und freigestellte Mengen (E).
Wer kennzeichnungspflichtiges Gefahrgut auf der Straße befördert, braucht als Fahrer einen gültigen ADR-Schein – die ADR-Schulungsbescheinigung. Sie wird in einem zugelassenen Lehrgang erworben, ist bundesweit gültig und muss alle fünf Jahre durch eine Auffrischungsschulung verlängert werden. Es gibt einen Basiskurs sowie Aufbaukurse, etwa für Tank- oder Explosivstofftransporte. Unterhalb der Kennzeichnungsgrenze – zum Beispiel bei begrenzten Mengen (LQ) oder unter der 1.000-Punkte-Regel – ist kein ADR-Schein nötig; Grundkenntnisse im Umgang mit dem Gefahrgut bleiben aber Pflicht.
Am Fahrzeug signalisieren orangefarbene Warntafeln den Transport von Gefahrgut. Bei kennzeichnungspflichtigen Sendungen tragen sie oben die Gefahrnummer (Kemler-Zahl) und unten die UN-Nummer. An den Versandstücken zeigen rautenförmige Gefahrzettel die Klasse an. Diese Kennzeichnung ist die Grundlage dafür, dass Einsatzkräfte im Ernstfall sofort wissen, womit sie es zu tun haben.
Gefahrgut sicher transportieren?
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ADR ist das Europäische Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße (Accord relatif au transport international des marchandises Dangereuses par Route), 1957 unter der UNECE geschlossen und alle zwei Jahre aktualisiert.
Es gibt neun Hauptklassen: 1 Explosivstoffe, 2 Gase, 3 entzündbare flüssige Stoffe, 4 entzündbare feste Stoffe, 5 entzündend wirkende Stoffe/Peroxide, 6 giftige und ansteckungsgefährliche Stoffe, 7 radioaktive Stoffe, 8 ätzende Stoffe und 9 verschiedene gefährliche Stoffe (z.B. Lithiumbatterien).
Nach Abschnitt 1.1.3.6 des ADR wird die transportierte Menge je Beförderungskategorie mit einem Faktor multipliziert. Bleibt die Summe je Beförderungseinheit unter 1.000 Punkten, entfallen viele Pflichten wie Warntafeln oder Teile der ADR-Ausrüstung. Grundpflichten wie Verpackung und Beförderungspapier bleiben bestehen.
Ja. Für kennzeichnungspflichtige Gefahrguttransporte benötigt der Fahrer eine gültige ADR-Schulungsbescheinigung (ADR-Schein) für die jeweilige Gefahrgutart. Zusätzlich muss im Unternehmen ein Gefahrgutbeauftragter bestellt sein.
Autor
André Ventker
Beratung & Verzollung · Engemann u. Co.
André Ventker berät zu Zoll, Verzollung und der optimalen Gestaltung internationaler Transportketten.